Biblischer Impuls August 2016

„Wachet auf, ruft uns die Stimme, der Wächter sehr hoch auf der Zinne, wach auf du Stadt Jerusalem.“ EG 147,1

Liebe Brüder,

dieses Lied von Philipp Nicolai klingt in mir zum Thema „Wachen und Beten“ immer wieder auf. Wächter! Seit es Städte gibt, gibt es sie. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts übten sie auf den Türmen unserer Städte ihren Beruf aus. Wenn ein Feuer ausbrach oder Feinde im Anmarsch waren, mussten sie die Einwohner mit einem Signalton warnen. Bei
Tagesanbruch stimmten sie über den Häusern der Stadt ein Loblied zur Ehre Gottes, das die Bewohner der Stadt aufwecken sollte. Diesen Augenblick greift Gott auf, wenn er uns durch seinen Boten sagen lässt: Jerusalem ich habe Wächter auf deine Mauern gestellt, die den Herrn Tag und Nacht an sein Versprechen erinnern sollen. Ihr Wächter, hört nicht auf zu beten... (Jesaja 62, 6).

Es ist nicht leicht, geistlich wach zu bleiben, wenn die Stunde der Versuchung über uns hereinbricht (Offb. 3,10). Der Gegenspieler Gottes versteht es auf raffinierte Weise, den Geist der Müdigkeit und Kraftlosigkeit einzuschleusen. Jesus selbst hat das erfahren. Bald nach dem er seine Jünger zum Wachen und Beten aufgefordert hat, kam er in Gethsemane
selber an die Grenze. Doch da griff Gott ein: Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn (Luk. 22,43). Der lebendige Gott, lässt seinen Sohn, der im Gebet ringt, nicht allein. Was Jesus erfährt, will uns Mut machen. Auch uns will Gott in Zeiten der Anfechtung, der Schwachheit, der Gebetsmüdigkeit neue Kraft schenken und uns stärken. Jesus kann uns heute seine Gegenwart spüren lassen: Ich bin da! Möge uns der Herr, zu seiner Zeit, diese stärkende Erfahrung schenken. Wir brauchen sie als wachende Beter und betende Wächter in der gegenwärtigen Zeit, in der sich die Dinge zuspitzen, ganz besonders, damit sich erfüllt: Zion hört, die Wächter singen, das Herz tut ihr vor Freude springen, sich wachet und steht eilend auf… EG 147,2

Euer Ulrich Müller